Mit der VHS fit für die Weltmeisterschaft
Mit 71 Jahren gewann er 2025 bei der Weltmeisterschaft in Spanien die Goldmedaille im Line Dance. Den Grundstein dafür legte er vor fast zehn Jahren in einem Kurs der Volkshochschule Dresden.
Das Tanzen lag ihm schon immer im Blut. Gemeinsam mit seiner Frau besuchte er über viele Jahre hinweg verschiedene Tanzkurse. Schritt für Schritt arbeiteten sie sich durch die unterschiedlichen Niveaustufen. Die größte Herausforderung bestand dabei oft nicht im Tanzen selbst, sondern darin, einen gemeinsamen freien Abend für den Kurs zu finden.
2017 entdeckte Matthias Rabenau schließlich den Line-Dance-Kurs an der Volkshochschule Dresden. „Der große Vorteil war, dass ich ihn auch allein besuchen konnte – und der Dienstagabend hat einfach perfekt in meinen Wochenplan gepasst“, erinnert er sich. Anfangs seien sie sogar drei Männer in der Gruppe gewesen. „Heute bin ich der Einzige, der übrig geblieben ist“, sagt er schmunzelnd. Dass er dem Kurs so lange treu geblieben ist, liegt vor allem an der Kursleiterin Andrea Viehrig. Mit viel Feingefühl gelingt es ihr, die Teilnehmenden zu motivieren.
Ihr Unterricht ist strukturiert, aber nie streng. Sie fordert, ohne zu überfordern, und schafft eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen. „Sie hat ein unglaubliches Gespür für Menschen. Es ist nie zu schulmäßig, sondern immer mit Freude verbunden“, beschreibt Matthias Rabenau.
Im Jahr 2023 wagte er schließlich im Team den nächsten Schritt. Nachdem er mit weiteren Tänzerinnen der VHS-Gruppe vom Tanzhaus Friedrichstadt am Linedance-Wettbewerb „Saxonia Open“ 2019 und 2022 teilnahm, wurde er Anfang 2023 Mitglied im TSC Silberpfeil e.V. Pirna. Für die Vorbereitung auf größere Meisterschaften trainiert er seitdem zusätzlich im TanzSportclub Pirna und nutzt gelegentlich auch die Wochenenden, um die Choreografien und die Tanzstile zu festigen.
Viele verbinden Line Dance mit Westernmusik, Cowboyhüten und Stiefeln. Doch die Realität ist deutlich vielfältiger. Getanzt wird nicht nur zu Countrymusik, sondern ebenso zu Walzerklängen oder lateinamerikanischen Rhythmen wie Samba und Rumba. Gerade diese Vielfalt macht für ihn den besonderen Reiz aus.
Im vergangenen Jahr führte ihn seine Leidenschaft schließlich nach Benidorm in Spanien zur 18. WCDF-Weltmeisterschaft. Teilnehmende aus zahlreichen Ländern – darunter Spanien, Italien, Schweiz, die Niederlande, Schweden, die USA und sogar Südafrika – waren vertreten. Besonders stark war die Konkurrenz aus Südkorea. Doch Matthias Rabenau ließ sich davon nicht beeindrucken. In seiner Altersklasse überzeugte er die internationale Jury und gewann die Goldmedaille im Line Dance-Classic Amber (Ü70) Newcomer-Male.
Am Line Dance begeistert ihn vor allem die Offenheit. „Es ist völlig egal, ob man Anfänger oder Profi ist, ob jung oder alt, Mann oder Frau – alle tanzen gemeinsam und haben Spaß“, sagt er. Für ihn ist Line Dance weit mehr als nur ein Hobby: „Es ist mein Jungbrunnen. Man bleibt körperlich fit, weil sich alles bewegt, und gleichzeitig wird der Kopf gefordert. Man muss sich die Schrittfolgen merken – das ist echtes Gehirnjogging.“
Und noch etwas schätzt er besonders: „Wenn ich tanze, bin ich ganz im Moment. Man kann an nichts anderes denken. Das macht den Kopf frei.“
Aufhören kommt für ihn deshalb nicht infrage. Matthias Rabenau möchte auch in Zukunft weiter tanzen, die Gemeinschaft genießen und sich die Freude an der Bewegung bewahren. „Ich möchte das Line Dance nicht mehr missen“, sagt er. „Es gehört einfach zu meinem Leben.“